Der Garten für Kinder


 

„Der junge Mensch braucht seinesgleichen – nämlich Tiere, überhaupt Elementares, Wasser, Dreck, Gebüsch, Spielraum. Man kann ihn auch ohne das alles aufwachsen lassen, mit Teppichen, Stofftieren oder auf asphaltierten Straßen und Höfen, er überlebt es, doch soll man sich dann nicht wundern, wenn er später bestimmte soziale Grundleistungen nie mehr erlernt.“

                Alexander Mitscherlich  

 

 

Die Bedürfnisse der Erwachsenen und Kinder stehen sich oft diametral entgegen. Kinder wollen sich austoben, Löcher graben, auf Bäume klettern, im Matsch waten und sich verstecken. Erwachsene suchen Erholung, Beschaulichkeit, Ruhe, eine schöne Kulisse und Entspannung. Nicht jeder Garten ist groß genug, ihn zu unter- teilen, aber meistens geht es mit einiger Fantasie doch. Warum nicht mal den Vorgarten zum Kinderspielplatz umfunktionieren, den geplanten Teich zurückstellen und stattdessen eine Sandgrube schaffen, das Baumhaus mangels großer Bäume auf die Garage oder Gartenhütte bauen, die Schaukel unter dem Balkon oder an einem Verbindungsbalken zwischen Haus und Garage befestigen, Lücken als Verstecke in der Hecke lassen? Kinder sind nicht so anspruchsvoll wie wir denken. Sie begnügen sich mit wenigen Gartenecken, wenn wir sie dort machen lassen was sie möchten, denn vorkonfektioniertes Spielzeug wird schnell langweilig. Und die Kinder werden schneller groß, als wir glauben mögen, so dass eine sinnvolle Gartenplanung immer die Zukunft im Auge behält. Man kann auch einen Teil des Gartens ungeplant den Kindern überlassen, ihnen Erdhaufen, Steine, Holz und anderes Material zur Verfügung stellen und sich wundern, mit wie viel Fantasie und Kreativität sie sich ihren eigenen Spielplatz schaffen und wieder zerstören und neu errichten, das eigentliche Spiel, das der Welt der Erwachsenen gar nicht so unähnlich ist.

Wem der Anblick nicht behagt, pflanzt eine Hecke davor und macht sich erst an die Umgestaltung dieses Gartenteiles, wenn die Kinder sich daraus zurückziehen. Denn auch die Bedürfnisse der Erwachsenen ändern sich. Wollen Hausfrau oder -mann gerne einen Nutzgartenteil, solange die Kinder klein sind, ist es ihnen vielleicht wieder zuviel, wenn die Kinder größer sind und beide Elternteile arbeiten. Kann der Garten bei der Entscheidung für den Hausbau oder -kauf anfangs gar nicht groß genug sein, ist man im Alter froh, nicht allzuviel Pflegearbeit damit zu haben.

Ein kindgerechter Garten berücksichtigt die Bedürfnisse der Kinder, ohne sie zu gefährden. Allerdings lauern die wirklichen Gefahren für unsere Kinder am seltensten in den Gärten, sondern vielmehr auf der Straße - ein Grund mehr, den Garten so attraktiv für sie zu gestalten oder zu belassen, wie es nur geht. Wirklich gefährlich für Vorschulkinder sind nur Gartenteiche und offene Wassertonnen, sowie die vier giftigen Pflanzen Goldregen (Laburnum anagyroides), Pfaffenhütchen (Euonymus europaea), Seidelbast (Daphne mezereum) und Stechpalme (Ilex aquifolium). Andere ungenießbare Pflanzen gelten als problematisch, weil ihre Früchte mit essbaren Früchten verwechselt werden können, z. B. die Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), sind aber in normaler Menge verzehrt nicht wirklich giftig. Der beste Weg, Ihr Kind vor dem Genuss zu schützen, ist das Anpflanzen essbarer Alternativen wie Himbeere, Brombeere, Johannisbeere und Walderdbeere, deren Früchte in reifem Zustand nach Herzenslust gepflückt werden dürfen. Alle anderen Beeren, kann man den Kindern erklären, sind nur für die Vögel.

Für eine Verwendung bzw. Duldung auch relativ problematischer Gewächse sprechen einige gewichtige Punkte. Wie alle Pflanzen besitzen auch sie einen Wert als Wahrnehmungs-, Beobachtungs- und Erlebnisgegenstand, wozu auch solche negativer Art gehören. Je vielfältiger die Umwelt, desto reichhaltiger sind die Eindrücke auf die Personen, die sich darin bewegen und desto stärker sind die Anregungen für deren Sinne, Gefühl und Intellekt. Es gilt längst als erwiesen, dass die Eindrücke, die das Kind in den ersten Lebensjahren empfängt, von ganz entscheidender Bedeutung für die Entwicklung seiner sensitiven, emotionalen und kognitiven, d. h.  erkenntnismäßigen Fähigkeiten sind. Es kann heilsam sein, auf etwas Bitteres gebissen oder sich die Finger an Brennesseln verbrannt zu haben. Genauso, wie das Kind richtig fallen können muss, um laufen zu lernen, ist es für das Leben wichtig, rechtzeitig die Notwendigkeit von Respekt und Vorsichtsmaßnahmen zu begreifen.

Aber auch die Pflanzen im Umfeld des Spielplatzes müssen einiges aushalten können, denn Kinder benötigen ständig Pflanzenteile als Spielmaterial. Tief wurzelnde, robuste, schnell wachsende und leicht regenerierbare Pflanzen eignen sich am besten. Dazu gehören auch und gerade viele sogenannte Unkräuter, die meist einen wesentlich höheren Spielwert besitzen als die meisten Zierpflanzen.

Für den Bau von Hütten sollten Sie den Kindern eine genügend große Menge abgeschnittener Äste und Zweige zur Verfügung stellen. Werden die Kinder bei den Pflanzarbeiten beteiligt und dürfen das Gießen übernehmen, entwickeln sie auch die nötige Vorsicht gegenüber frisch Gepflanztem.

Kinderbeete mit Nutzpflanzen sind meist nur kurze Zeit beliebt. Reservieren Sie den Kindern lieber ein Eckchen im eigenen Nutzgarten, da die pflegebedürftigen Pflänzchen sonst allzuoft vergessen werden.

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